DEN LAWINEN ZUM TROTZ – Winter-Wanderung zur Korbinianhütte

Wir schreiben den 22. Januar 2018 – Tirol versinkt im Schneechaos… Meine fünfzig Minuten Arbeitsweg werden zu einer zweieinhalbstündigen Odyssee quer durch’s Tiroler Unterland. Warum nur gehöre ich nicht zu den zahlreichen Bergdorfbewohnern im Paznaun, im Ötztal oder im Kühtai, die heute von der Außenwelt abgeschnitten sind? Dann hätte ich einfach im Bett bleiben können… Stattdessen vergnüge ich mich bei 50 km/h Höchstgeschwindigkeit auf der Inntalautobahn und lasse mich von den ausschweifenden Aufzählungen der Straßensperren und der Gebiete mit Lawinenwarnstufe 5 im Radio berieseln. Und dabei war doch diese Woche die erste Bergtour des Jahres geplant…

Die Flucht über die Grenze (die inzwischen zum Glück wieder überquert werden darf) hilft und wir finden tatsächlich ein kleines Fleckchen Gebirge, das nicht durch sich möglicherweise selbstständig machende Schneemassen bedroht ist: Der Weg zur Korbinianhütte im Wandergebiet Kranzberg bei Mittenwald. Start ist der Wanderparkplatz Kranzberg beim Ski-Schlepplift. Und neben der Sonne, die sich heute so gar nicht blicken lassen will, ist das dann auch der einzige Wermutstropfen: Der Skitourismus ist entlang der gesamten Strecke allgegenwärtig, zweimal kreuzt sich der Wanderweg mit der Piste. Trotzdem ist der 30-minütige Aufstieg gemütlich und ähnelt eher einem Spaziergang als einer Wandertour – perfekt geeignet als Einstimmung auf die kommende Saison:-)

Einst der Lebenstraum der Brüder Josef und Korbinian Rieger, blickt die Korbinianhütte auf eine tragische Geschichte zurück: 1948 beschließt Josef Rieger, den gemeinsamen Traum wahr werden zu lassen und benennt die von ihm erbaute Hütte nach seinem Bruder Korbinian, der am letzten Tag des Zweiten Weltkriegs in Italien gefallen war. 1995 ist die Korbinianhütte an die nächste Generation übergegangen und wird heute von Josef Riegers Sohn Stefan bewirtschaftet.

Der tragisch-romantische geschichtliche Hintergrund verliert ein wenig an Tragkraft angesichts der heute einströmenden Massen an Skifahrern, die von der Schlepplift-Bergstation aus bequem die Hütte anfahren können. Wir nehmen’s gelassen und probieren uns unter dem heute nicht vorhandenen blau-weißen bayerischen Himmel durch die verschiedenen Geschmackssorten an Beerenwein, für den die Korbinianhütte bekannt ist – wohlwissend, dass wir ihn uns wenigstens ein wenig mehr verdient haben als die Liftfahrer:-)

 

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